Wettkampf: 2008 // 03.12.2008

Runningman 2008

Am Sonntag stand in Schenefeld der Saisonabschluss im Kalender. Mit dem ersten offiziellen Wettkampf nach dem Lübeck Marathon habe ich zumindest was Wettkämpfe betrifft meine Saison beendet. Dabei ging es aber noch einmal kräftig zur Sache. Bei kühlen Temperaturen nur knapp über null Grad erwartete David, der mich auch beim Mitternachtslauf 2008 begleitet hatte, und mich ein 100m-Sprint, ein 1.000m-Bahnlauf und ein 10km-Verfolgungsrennen.

Meine grundsätzliche Meinung zum Projekt Runningman habe ich bereits geäußert, sodass hier hauptsächlich die reinen Laufberichte folgen sollen. Zum Aufwärmen liefen wir einmal den 2km-Rundkurs ab: viele enge Kurven aber eigentlich nichts wirklich Aufregendes - so war zumindest der Eindruck beim Aufwärmen.

100m-Sprint

Nach dem Aufwärmen wurde dann die Trainingshose ausgezogen und die Spikes angezogen. Der 100m-Sprint stand bevor. Das zweite Laufshirt und der warme Pullover blieben aber vorerst am Oberkörper, es war schließlich ziemlich kalt. David und ich waren beide unsicher, wie es laufen würde. Unsere letzten 100m-Sprints lagen weit zurück, wobei David immerhin in den USA 12,3 gelaufen war. Ich hatte von meiner Leistung keine Ahnung. Auch wie der Start technisch gut ablaufen sollte, wusste ich nicht so recht. Aber dafür war es nun ohnehin zu spät.
"Auf die Plätze" - wir knieten uns in die Startpositionen. Die zusätzliche Bekleidung war inzwischen ausgezogen. Einmal kurz hatte ich den Start noch geprobt - irgendwie würde das schon ordentlich werden. "Fertig" - Hintern hoch, komplette Anspannung, gleich nur noch alles geben ... "Los!" ... und weg da. Ich hatte noch aus dem Sportunterricht in Erinnerung, dass der Oberkörper relativ lange unten bleiben sollte, aber der Start war mies. Ich lag sofort ein kleines Stück hinter David, der links von mir lief. Die anderen Läufer konnte ich nicht sehen. Aber so langsam konnte ich die Spikes in die Tartanbahn hauen und Gas geben. Ich kam an David ran, nur noch ein kleines Stück ... wo ist eigentlich das Ziel? Da vorne irgendwie, gleich muss es geschafft sein ... und zack lag ich auf der Nase.
Ich weiß nicht, wie ich es geschafft habe. Die Bahn war glatt, aber mit Spikes sollte man eigentlich trotzdem nicht stürzen. Ich lag ausgestreckt auf dem Boden, meine Fingerspitzen waren im Ziel, aber alles tat weh. Etwa 10 Sekunden später raffte ich mich auf, trabte über die Ziellinie und stemmte mich auf meine Oberschenkel. Ein Sturz mit Folgen (siehe Bild): aufgeschlagene Knie, aufgeschürfte Brust und Handflächen, eine mitgenommene Startnummer und zwei größere Schürfwunden an Hüfte und rechtem Unterarm. Knochen und Sehnen waren aber alle heil, und mein Laufshirt auch. Bezüglich meiner Zeit gab es dann etwas Verwirrung. Ein erneuter Start wurde mir nicht zugemutet, aber die Stoppuhr wurde erst nach 25 Sekunden gestoppt. Eigentlich wäre ich aber als Dritter im Ziel gewesen, also wurden mir 14,50 Sekunden als Zeit zwischen Zweitem und Viertem gegeben. Für David wurde sogar 13,3s gestoppt. Etwas überraschend für mich, aber mir war es egal.

Runningman
Platzierungen: 3. von 3 (AK), 18. von 35 (Gesamt)
Veranstalter: http://www.runningman-world.de/
Besten Läufe über 100m
15.05.2015 1. Läuferzehnkampf 12,79 (2:08)
03.06.2011 2. Läuferzehnkampf 13,00 (2:10) -0:01
25.04.2015 3. Westpfalzmeisterschaften 13,17 (2:10) -0:01
24.04.2010 4. Runningman 13,28 (2:13) -0:01
16.07.2015 5. Sportabzeichen-Tag 13,50 (2:15) -0:01
...
30.11.2008 7. Runningman 14,50 (2:25) -0:02

1.000m-Bahnlauf

Anschließend hatte ich eine gute Dreiviertelstunde, um mich vom Sturz zu erholen. Ich wollte aber weitermachen, zur Not nur locker laufen. Beim Laufen spürte ich allerdings von den Wunden gar nichts, wie sich herausstellen sollte. David hingegen musste nach dem 100m-Sprint abbrechen. Sein lädierter Knöchel machte ihm mal wieder zu schaffen, was für seit zwei Jahren fast zum Dauerzustand geworden war. Stattdessen wollte er nun aber Fotos machen, was mich freute. Nach einiger Zeit huschte auch wieder ein Lächeln auf mein Gesicht. Wir wärmten uns kurz auf, bevor wir dann bald wieder raus mussten.
Dort wurden nun Gruppen mit je acht Personen für den 1.000m-Bahnlauf nach eigener Leistungseinschätzung gebildet. Die "Elitegruppe" startete mit dem Ziel von unter drei Minuten, ich schloss mich der zweiten Gruppe für etwa 3:20 und besser an. Auch für diesen Lauf wusste ich allerdings nicht so recht, wie ich mich einschätzen sollte. 3:30 sollte auf jeden Fall möglich sein, aber auch mehr? Die anderen Läufer der Gruppe kannte ich auch nicht so wirklich, aber nach dem Start setzte ich mich mutig an die zweite Position. Vor mir ein ähnlich junger Läufer - es war vielleicht nicht die beste Wahl, sofort seinem Tempo zu folgen. 33 Sekunden für die ersten 200 Meter, 1:11 für die erste Runde. Wir waren auf Kurs für unter drei Minuten: zu schnell. Aber ich sah auch, dass der Läufer vor mir das Tempo nicht halten konnte. Bald ging der erste Läufer an uns vorbei. Ich hatte nachträglich aber eher den Eindruck, dass es mir in diesem Moment an Motivation und nicht an Kraftfehlte.

Inzwischen waren (glaube ich) drei Läufer an uns vorbei gezogen und der ehemalige Führungsläufer war hinter mir. Wie üblich erhielt ich erst für die letzten 200 Meter wieder die nötige Motivationsspritze. Ein Läufer in Weiß lag einige Meter vor mir, aber mir war klar, den schnapp ich mir noch. Also zündete ich für die letzten 200 Meter den Turbo und lief fast locker auf der Zielgeraden an ihm vorbei und dann über die Ziellinie. 3:13,7wurde für mich gestoppt. Eine gute Zeit, mit der ich doch sehr zufrieden war. Dann noch ein kurzes Abklatschen mit dem Läufer in Weiß und schnell wieder warm anziehen.

Runningman
Platzierungen: 3. von 3 (AK), 13. von 34 (Gesamt)
Veranstalter: http://www.runningman-world.de/
Besten Läufe über 1.000m
04.06.2011 1. Läuferzehnkampf 2:51,17 (2:51)
16.05.2015 2. Läuferzehnkampf 2:51,81 (2:52) -0:00
24.04.2010 3. Runningman 3:07,07 (3:07) -0:16
30.11.2008 4. Runningman 3:13,7 (3:14) -0:22

10km-Verfolgungsrennen

Nach dem 1.000m-Bahnlauf war ich zufrieden und freute mich auf das abschließende 10km-Rennen, was als Verfolgungsrennen geplant war. Vergeblich versuchte ich allerdings herauszufinden, was mein Zeitrückstand sein würde. Mit den warmen Klamotten gingen wir dann in die Dorfmitte, wo ein kleiner Weihnachtsmarkt war und der Start für die zehn Kilometer stattfinden sollte. Unsere Läuferschar von ca. 40 Läufern wartete aber lange Zeit vergeblich. Immer wieder musste man kurz hin und her laufen, um sich warm zu halten. Der Start ließ aber lange auf sich warten. Auch als die Organisatoren endlich eintrafen, konnte es noch nicht losgehen. Die Läuferliste konnte scheinbar nicht nach den Zeitrückständen sortiert werden. Kurz versuchte man uns einzeln aufzustellen, nach fünf Läufern wurde aber aufgegeben und ein Massenstart beschlossen. Also nichts mit Verfolgungsrennen. Aber immerhin ging es dann ca. 30 Minuten zu spät los.
Beim Start lief sofort eine ca. zehn Mann große Gruppe vorne weg. So eine gut gefüllte Leistungsspitze hatte ich bei einem so kleinen Lauf noch nicht gesehen. Ich hielt mich etwas weiter hinten auf und versuchte auf sub40 zu laufen. Bereits auf der ersten Runde merkte ich allerdings, dass die Strecke doch deutlich schwieriger als angenommen war. Direkt nach dem Start einige kleine und enge Kurven, dazu noch eine kleine Steigung, die ich kaum als Steigung bezeichnen mag, aber beim fünfmaligen Durchlaufen tat dieser Streckenpunkt sehr weh. Kurz vor der Hälfte dann noch eine 180-Grad-Wende, bevor es über Sportplatz und ein kleines Stück bergab auf die Hauptstraße zurück ging. Die erste Runde war mit gut acht Minuten absolut im Soll. Doch danach ging es nur noch bergab - leider nicht auf der Strecke, sondern eher für mich. Die Steigung tat in den Beinen weh und ich verschleppte das Tempo. Ich konnte mich kaum noch zu einem besseren Tempo als 4:15 quälen. Dieses Mal fehlten allerdings Motivation und Kraft. Auch wenn ich auf dem Rückweg zum Start- und Zielbereich wieder etwas Hoffnung fand, mit der kleinen Steigung war sie wieder verloren. Die Strecke machte mich einfach fertig, physisch wie psychisch. Die anderen Runden verliefen ähnlich. Ein Mitläufer, an den ich mich hätte hängen können, fehlte, die Beine wurden schwer, die kalte Luft war unangenehm und die Motivation war irgendwie am Boden. Es kamen sogar kurze Gedanken auf, ob mich nicht einfach aufhören sollte - es fehlte der Spaß. Aber ich lief natürlich weiter und konnte auch wie gewohnt zum Schlussspurt ansetzen. Eine neue Bestzeit war aber in unerreichbare Ferne gerückt, obwohl sie eigentlich beim derzeitigen Leistungsstand hätte möglich sein müssen. 41:40 lautet meine offizielle Zielzeit, für den schlechten Verlauf noch überraschend gut. Nach dem Lauf verzichtete ich dann auf die Siegerehrung und offizielle Ergebnisliste vor Ort. Stattdessen stellte ich mich schnell unter die warme Dusche, was aufgrund der offenen Schürfwunden allerdings auch kein Erfolg wurde.

Runningman
Platzierungen: 3. von 3 (AK), 12. von 33 (Gesamt)
Veranstalter: http://www.runningman-world.de/
Besten Läufe über 10 km
26.07.2015 1. Möbelspedition Sander Straßenlauf 33:32,8 (3:21)
27.07.2014 2. Coca-Cola Straßenlauf 34:01,4 (3:24) -0:29
30.04.2014 3. Pfalz-Langstreckenmeisterschaften 34:12,4 (3:25) -0:40
06.04.2014 4. Osterlauf Neumünster 34:16 (3:26) -0:44
19.04.2014 5. Osterlauf Rheinzabern 34:22 (3:26) -0:50
...
30.11.2008 37. Runningman 41:40 (4:10) -8:08


Irgendwie schien der Tag verkorkst zu sein. Sturz beim 100m-Lauf, fehlende Motivation auf der Hälfte des 1.000m-Bahnlaufes (obwohl dafür nun wirklich nicht viel Zeit blieb) und ein zumindest vom Gefühl her grauenhafter 10km-Lauf. Die Zahlen lassen aber anderes verkünden. Die 1.000m-Zeit war super und die 10km-Zeit für die äußeren Verhältnisse (eiskalt, schwere Strecke, hohe Vorbelastung) eigentlich auch gut. Irgendetwas stimmte mich unzufrieden.
Inzwischen sehe ich das Ganze aber deutlich positiver. Denn das Projekt Runningman finde ich super und besonders mit der 1.000m-Zeit bin ich zufrieden. Natürlich hätte es deutlich besser laufen können, aber in der Gesamtwertung war ohnehin nichts zu holen und insofern kann ich mit dem Saisonabschluss trotzdem zufrieden sein.