Wettkampf: 2008 // 06.04.2008

6. Sparkassen Ostseelauf

Es kommt nicht immer alles so, wie man es erwartet. Bei erstklassigem Laufwetter konnte ich alle Knieschmerzen vergessen und den Sparkassen Ostseelauf doch noch mit einer neuen Bestzeit auf der Halbmarathon-Distanz beenden. Mit der Zielzeit von 1:36:34 konnte ich die 1:39:49 vom Kiel-Lauf 2007 um über drei Minuten verbessern.

Meine Vorbereitung klang ja nicht so doll. Doch ich kann es auch noch einmal von einer anderen Seite betrachten. Die 189 Kilometer im Februar waren mein bisheriges Highlight. Und der März war auch nicht so schlecht (163 km), denn er enthielt nach dem Kieler Hochbrückenlauf über 29,8 km eine verdiente Pause. Die Phase zur Erholung der Kniegelenke kam also genau richtig. Und damit hatte ich also auch heute gute Voraussetzungen.
Die indirekte Vorbereitung war mit Sauna, Badewanne und Nudeln am gestrigen und vorgestrigen Abend auch gut verlaufen.

Heute Morgen um 7 Uhr klingelte dann mein Wecker - eine Scheibe Brot mit Honig, etwas trinken, und dann unter die Dusche. Danach gab es dann noch eine Banane und etwas Apfelschorle - das musste genügen. Mit meinem Vater ging es dann nach Timmendorfer Strand. Dort angekommen galt es Parkplatz, Sporthalle und Startbereich zu erkunden. Bei den Startunterlagen in dem Werbebeutel gab es neben einer Make-up-Probe auch sogar einen Gutschein von Runners Point.
Zurück zum Auto, umziehen, warmlaufen, dehnen ... das Prozedere ist nichts Neues mehr - warum auch nach guten 200 Wettkampfkilometern.

Also konnt es um 10:15 Uhr losgehen. Die Knie fühlten sich gut an, auch ansonsten war ich frisch. "1:45" lautete mein vorsichtiges Ziel - und ich fügte leise "plus oder minus 15 Minuten" an. Der Start verlief überraschend ruhig (Auch wenn die Moderatoren die Pistole für den Startschuss nicht fanden) - obwohl die Strecke recht schmal war, gab es kein großes Gerangel. Gut, es waren auch nur 400 Teilnehmer und ich stand einigermaßen weit vorne.

Auf der Strecke konnte ich es dann genießen. Die Strecke führte direkt an der Ostsee entlang. Eine 5km-Strecke mit zwei Wendepunkten an den Enden und dem Start in der Mitte. Das Ganze galt es dann zweimal zu durchlaufen und auf der ersten Runde noch einen Extrakilometer zu laufen.
Die ersten Kilometer vergingen, Zeiten zwischen 4:30 und 4:40 pro Kilometer. "Viel zu schnell" dachte ich, und versuchte trotzdem das Tempo zu halten. Es lief einfach gut.

Die Kilometer vergingen, der Hochbrückenlauf hatte mich scheinbar abgehärtet, sodass ich fünf Kilometer nicht mehr als lang empfinde. Ich suchte mir immer wieder eine kleine Gruppe von Läufern, denen ich mich anschließen konnte.
Beim ersten Wendepunkt bei Kilometer 2,5 hatte ich dann die Möglichkeit, das gesamte Feld zu betrachten. Tom mit der Nummer 925 war mein einziger Konkurrent der Männlichen Jugend A - mit großen Augen hielt ich Ausschau. Vor mir war er nicht, was ein Glück. Doch auch auf dem Weg zurück sah ich ihn auf der anderen Seite lange nicht - Hatte ich ihn übersehen? Nein. Ich sah ihn schließlich, viele Minuten hinter mir - um den Altersklassensieg musste ich mir auch keine Gedanken mehr machen.

Platzierung gesichert - Knie gesund - Ein gutes Gefühl. Und dann war mir klar, heute geht etwas. Ich wartete noch bis Kilometer 10, den ich mit etwa 46 Minuten passierte. Dann war ich mir sicher. Das wird ein guter Halbmarathon. Ich konnte mein Tempo zwar nicht mehr wirklich erhöhen, aber ich konnte es immerhin halten. Nur selten kam der Gedanke "Was ist, wenn ich das nicht durchhalte?" auf.
Und auch das Wetter war perfekt. Mit acht Grad zwar nicht sehr warm, aber es war absolut trocken. Perfektes Wetter, da es auch nicht windig war: Kurze Hose und Langarmshirt waren genau richtig. Immer wieder starrte ich verdutzt auf Läufer mit Regenjacke. Viel zu warm wäre mir das gewesen.

Und mein gutes Gefühl konnte ich die gesamte Strecke lang behalten - kein Einbruch. Lag es daran, dass ich endlich mal jede Verpflegungsstation mitgenommen hatte? Es zahlte sich scheinbar aus.
Als die letzten zwei Kilometer begannen, konnte ich noch einmal Gas geben. 1:30 und auch 1:35 waren abgefahren, aber dennoch musste nach diesem tollen Lauf eine gute Zeit her. Und die kam.

Nach 1:36:34 erreichte ich überglücklich das Ziel auf der Seebrücke. Wahnsinn - eine neue Bestzeit. Etwas gequält mühte ich mich die Treppen hinunter in den Sand, um etwas zu trinken und zu essen. Erst später viel mir auf, dass es bei diesem Lauf ausnahmsweise mal keine Medaillen gab - Schade.
Aber dafür kam es besser, was ich ja schon wusste. Nach dem Duschen erwartete mich die Siegerehrung: Altersklassensieger, und das wurde nicht nur mit einer Urkunde sondern auch mit einem Pokal, bzw. einer großen Glasscheibe belohnt. Mal etwas Anderes. Und das hatte ich mir mit der Leistung auch verdient - wie ich fand.

So kann es also gehen - wenig Training in den Wochen zuvor, Knieprobleme, eine kurzfristige Entscheidung, ob ich wirklich laufen würde - und dann so ein Ergebnis. Neue Bestzeit. Dass meine Beine nun wiedermal schmerzen, stört nichtmals, sondern macht mich glücklich. So kann es weitergehen.

Statistik:

Ostseelauf
Platzierungen: 1. von 2 (AK), 53. von 373 (Gesamt)
Veranstalter: http://www.speedy-laufanmeldung.de/Ostseelauf/
Ergebnisse: http://www.stgk.de/Ergebnis_Archiv.asp?Jahr=200...
Besten Läufe über 21,1 km
17.08.2014 1. Lußhardtlauf 1:14:01 (3:30)
09.04.2016 2. Rhein-Volkslauf 1:15:34 (3:35) -1:33
23.03.2014 3. TSG Halbmarathon 1:15:36 (3:35) -1:35
31.05.2014 4. SAP Arena Marathon 1:15:38 (3:35) -1:37
13.10.2012 5. Göteborg Halvmarathon 1:16:14 (3:37) -2:13
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06.04.2008 19. Ostseelauf 1:36:34 (4:35) -22:33