Wettkampf: 2009 // 28.09.2009

1. Bungsberglauf

Unsicher, gespannt und voller Freude parke ich als einer der ersten vor Ort und muss nach dem kleinen Spaziergang durch den Wald zum Bungsberg-Plateau noch ein wenig auf die Startnummer warten. Langsam kommt das Wettkampfgefühl zurück. Laute Musik, andere Läufer, der in Schleswig-Holstein bekannte Lauf-Moderator - es scheint, als wäre alles wie immer. Doch das ist es nicht, ganz sicher nicht.

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Sehr rechtzeitig vor Ort bleibt mir die Zeit für eine Streckenerkundung. Zunächst werfe ich einen Blick auf den Schlussanstieg, 700 Meter Berg-Cross-Lauf waren angekündigt - der Hohn des Wortes "Berg" lag mir noch im Ohr. Ein Blick auf den Anstieg, ein offener Mund. Da sollen wir hoch? Da soll man laufen? Alles klar, dafür müssen Kräfte gespart werde. Auch wenn die 13-Prozent-Steigung nicht besonders lang ist (dafür sieht sie um so steiler aus), auf dem Waldboden mit Ästen, Laub und lockeren Steinen wird das Laufen verdammt anstrengend bis unmöglich. Anschließend ein Blick zum Start, der vom Plateau zum "echten" Bungsberg führt. Ein wunderbarer Ausblick und ein kurzer Abstieg in Serpentinen über die Wiese - auch nicht gut zu laufen, aber schön.
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Dann bereite ich mich vor, gebe die Tasche ab, schalte die Musik an, konzentriere mich. Lockeres Warmlaufen, ein paar Steigerungen, Dehnübungen - der Körper muss aufgewärmt werden, der Kopf muss sich auf den kommenden Lauf einstellen. Motivierende laute Musik, ständig in Bewegung, noch ein Schluck Wasser, der Rest wird über den Kopf gekippt. Tropfend stelle ich mich in letzter Sekunde in den Startblock. Die Glocke läutet und es geht los. Langsam laufen! rede ich mir ein, doch die Serpentinen hinab ist das nahezu unmöglich. Bei 40 Höhenmetern hinab ist der Start mit 4:04 noch in Ordnung. Anschließend geht es gleich wieder etwas hoch auf den Hassberg, ein guter Rhythmus ist schwer zu finden.

Aber ich laufe einfach. Immer weiter laufen. Maximal 15 Läufer mögen es vor mir sein, neun davon im Blickfeld - und so bleibt es. Der Rhythmus ist da, auch wenn die Kilometerzeiten etwas anderes vermuten lassen. Ich laufe einfach weiter, immer weiter, denke nach, fühle mich wohl. Es ist irgendwie noch nicht das übliche Wettkampfgefühl, aber es fühlt sich richtig gut an. Immer wieder geht es etwas hinauf und hinab. Nur sehr wenige Zuschauer befinden sich an der schönen Strecke, bei diesen bedanke ich mich jeweils herzlich für die Unterstützung. Zweimal reicht die Jugendfeuerwehr Wasser, bei Sonne und 20 Grad nehme ich das gerne an, auch wenn es nur ein winziger Schluck wird, der genügt, um den Rachen zu befeuchten.

Die zu laufenden Kilometer werden weniger, die Oberschenkel müder und die Strecke anstrengender. Zunächst geht es nur langsam bergauf und obwohl ich das Tempo nicht wirklich verschärfen kann, werden zwei, drei Läufer noch eingesammelt. Gut einen Kilometer laufe ich mit einem Triathleten aus Kärnten, bevor ich mich von ihm absetze. Der letzte Kilometer, nun wird es steil, der Schlussanstieg naht. Es geht in den Wald hinein. Zuvor hatte ich noch immer die führende Frau (und im Ziel mit sieben Minuten Vorsprung deutliche Siegerin) Elvira etwa 200 Meter vor mir im Blickfeld gehabt. Dann folgt der letzte Schlussanstieg, keine 300 Meter mehr ins Ziel. Die einzige wirklich harte Steigung, ich höre die Menschen, Sanitäter stehen bereit - und da kämpft sie sich hoch. Mit den Händen auf den Knien kommt sie nur schwer voran. Zeit für die letzte Power, ich gebe alles. Der Anstieg ist hart, Tempo kann man das nicht nennen, aber im Vergleich zu ihr fliege ich. Dann noch die letzten Meter auf dem Plateau, mein Herz pumpt wie wild, Puls mit 205 absolut am Limit - Ziel!
Ziellinie. Geschafft. Comeback. Ein geiles Gefühl.

Langsam gehe ich mit Beinen wie nach einem Marathon durch den Zielbereich, erhole mich langsam und hole mir Verpflegung. Es dauert etwas, bis ich alles zusammen habe und mich in den Bus-Shuttle zur Dusche setzen kann. Die Beine sind schwer, ich komme die drei Treppenstufen kaum runter, aber das Strahlen im Gesicht bleibt. Anschließend ein Blick in die offizielle Liste, 48:35 (4:28/km) für die 10,87 Kilometer mit 180 Höhenmetern. 11. Platz in der Gesamtwertung, 15 Sekunden am Ende noch vor der Siegerin und 2. Platz in der Altersklasse. Die zwei Minuten Rückstand auf den Altersklassensieger Ronny-Nico habe ich ihm natürlich nur gegönnt, damit er bei der Siegerehrung gemeinsam mit seiner (von mir überholten) Frau Elvira auf dem 1. Platz steht.
Zahlen, die für heute nichts bedeuten. Laufen kann schließlich so einfach sein. Nach dem ersten Kilometer habe ich noch auf die Uhr geblickt, mich ein wenig schnell gefühlt. Danach nicht mehr, ich bin einfach gelaufen, habe mich hinter den anderen Läufern gehalten und am Ende die Reserven geholt. Viel war nicht mehr drin, aber auch wenn die Kilometerzeiten anders aussehen - aufgrund des Profils war es ein optimaler Lauf, auch vom Gefühl, von der Freude: Ein optimaler Lauf.

Gerade entdeckt: Elvira und Ronny-Nico haben einige Eindrücke der Strecke auch in einem Video zusammengefasst.
Bungsberglauf
Platzierungen: 2. von 7 (AK), 11. von 131 (Gesamt)
Veranstalter: http://www.zvo.com/content/holding/bungsberglau...
Ergebnisse: http://www.speedy-laufanmeldung.de/Ergebnis16-2...
Besten Läufe über 10,8 km
26.09.2009 1. Bungsberglauf 48:35 (4:28)
03.05.2008 2. Raps-Blüten-Lauf 50:06 (4:38) -1:31


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