Training // 08.12.2009

42 Deichsprints

Es kribbelte in den Beinen. Mit einem gemütlichen Lauf würde ich mich heute nicht zufrieden geben - es muss mehr sein. Ein paar Sprints, ein bisschen Training an den winzigen Hügeln der Insel. Am Flinthörn hatte ich mir eine geeignete Runde ausgesucht. Einen steilen Sprint den Deich hoch, oben etwa 100 Meter, in einer leichten Kurve über das Gras hinab und direkt im Anschluss im nächsten Sprint hoch, bevor es langsam wieder runter und dort wieder etwa 100 Meter bis zum Ausgangspunkt geht. Das Ganze 20 Mal - das könnte ein schönes Tempotraining werden.

Wenn man doch nur die Fähigkeit besäße, die Entfernungen richtig einzuschätzen.

Diesig kühles Wetter. Als Motivation für die Sprints wird System of a Down auf dem MP3-Player ausgewählt. Fröhlich, fast lachend und tanzen geht es los. Am Hafen, auf dem Deich. Eine gähnende Leere. Die Kälte, ein paar Elstern, die Musik und ich.

Nach gut vier Kilometern erreiche ich den Zugang zum Flinthörnpfad, wo sich meine Runde befindet, und lege sogleich mit dem ersten Sprint los. 20 Meter mögen es sein, bis ich "oben" bin. Nicht wirklich kraftraubend ist das Fazit nach dem ersten Sprint und auch die zweite Steigung erweist sich nicht als die ganz harte Nuss. 20 Runden und damit 40 Sprints waren wohl angemessen, damit das Training eine Wirkung hinterlässt.
Flinthörn-Steigung
Auch wenn bei schlechterem Wetter - diese Steigung ging es 20-mal hoch

So drehe ich Runde um Runde mit dem Versuch, die Rundenlänge festzustellen. Bei den Sprints und der Musik auf den Ohren fällt es mir schwer, bis ich schließlich etwa 500 Meter als Rundenlänge erhalte - viel länger als gedacht. So kommen die ersten Gedanken auf, ob denn nicht auch 10 Runden genügen würde. Doch ich laufe weiter, Runde 7, 8, 9, 10. Jetzt hätte schon Schluss sein sollen? Ich bin doch noch überhaupt nicht fertig. Natürlich ist so ein Training anstrengend, aber da muss mehr her. Also geht es weiter, während die Zeit läuft. 11, 12. Bald zwei Drittel geschafft. Noch fünf Runden, dann fehlen mir nur noch zwei und die Ehrenrunde.

Langsam wird es hart. Seit der 12. Runde sagen mir die Muskeln, dass es mit den Steigungen doch inzwischen reichen würde. 13. Keine Gnade. 14. Die Beine werden immer schwerer, das Ende kommt immer näher. So schlimm ist das gar nicht mehr. So gehen auch die letzten Runden vonstatten. Meckernde Muskeln und ein glücklicher Körper sind die Folge. Bei den letzten Sprints gebe ich noch einmal alles und doch kann ich noch problemlos laufen. Es fühlt sich lediglich an, als hätte ich jetzt schon Muskelkater. Dennoch gibt es am weiteren Deich, wo die Landseite noch einmal deutlich steiler ist, noch zwei Ehrensprints.

Nach einem ordentlichen Auslaufen war ich schließlich über 17 Kilometer unterwegs. Ursprünglich hatte ich das Warmlaufen auf vier Kilometer verlängert, um am Ende im zweistelligen Bereich zu gelangen. Bezüglich meiner Leistung hatte ich mich aber ebenso unterschätzt. 17 Kilometer mit 42 knackigen Sprints - das lief wunderbar.