» 1. Deich-Halbmarathon in Neuwied

„Grandioser Halbmarathon mit bester Unterstützung”

Nichts ist wie immer. Brunchen in großer Gesellschaft fremder lieb gewonnener Menschen. Zwei Stunden vor dem Startschuss wandert der Blick auf die Uhr, wieder und wieder. Das Gezappel fängt langsam an. Umziehen, aufgeregt sein und in großer Gruppe zum Start. Ungewohnt aber angenehm. Ablenkung statt Nervösität. Erst vor Ort starte ich die Musik und mache mein eigenes Ding.

Die psychische Vorbereitung
Warmlaufen. Konzentrieren.
Die Musik bringt mich sofort in Fahrt. Wildes Gehüpfe. Ich bin heiß. So richtig.
Wenn da nicht diese Nervösität wäre. Das große Ziel lautet 1:25. Möglich? Immerhin lässt mich die gelungene Generalprobe weiter hoffen. Erste Vorraussetzung, war das richtige Tempo. Mein Mantra "Bloß nicht zu schnell starten!" hatte ich mir schon am Morgen vor dem Badezimmerspiegel eingeprägt.

Ganz für mich: Konzentration vor dem StartZumindest im Unterbewusstsein nimmt man sie an der Strecke wahr - danke!Auf dem ersten Kilometer: Locker und glücklichAuch nach zwei Kilometern bleibt die Zeit zum Gruß


Langsam starten?
Die Meute stürmt los. Nun ist es zwar nicht wie immer aber zumindest wie bei den letzten Läufen. Ich halte mich zurück, lasse bestimmt 40 Läufer vor mir durch die Straßen preschen, genieße die Anfeuerungen der Fremden Freunde, suche meinen Rhythmus und lasse es laufen. 3:57. 3:59. "Keinesfalls schneller als 4:00/km starten" schießt es mir wieder durch den Kopf. Ich bewege mich an der Grenze und lasse es laufen, denn den Trainingsleistungen nach ist die 1:25 definitiv möglich.

Was ist passiert? Warum bin ich schon so weit?
Alles geht schnell. Kilometer um Kilometer. Schon jetzt sammle ich die ersten Läufer ein, die wie die Wilden gestartet waren. Der ständige Blick auf die Uhr warnt mich. 5 Kilometer in 19:59. Nicht schneller werden. Die erste Verpflegungsstelle naht, ein Becher Wasser und zwei Schwämme, auch wenn die Bedingungen mit bewölkten 15 Grad nahezu perfekt sind. Ein Halbmarathon kostet Kraft und der Körper will gekühlt sein. So laufe ich weiter, sammle ein, alles wie im Rausch.

Das hier ist ein Halbmarathon!
Die 10-Kilometer-Marke passiere ich nach 39:59 perfekt im "heimlichen" Plan von 4:00/km und ich fühle mich, als wäre der Startschuss keine fünf Minuten her. Nun beginnt allerdings der ernst Teil, denn ein Halbmarathon bedeutet stolze 21,1 Kilometer. Die Beine werden langsam schwerer, wobei sich die linke Wade von Beginn an bemerkbar macht. Ich kämpfe mich aber besinnungslos durch, immer weiter und weiter. Die lange Gerade geht vorbei und wir erreichen Engers. Ein kleines Stückchen bergab, an Zuschauern und Sambatrommlern vorbei. Es läuft.

Auf zum kurzen SchlusssprintMit letzter Kraft, noch einmal alles gebenKampf bis zum EndeVerbissen den Blick aufs Ziel gerichtet


Kämpfen und durchhalten!
Der Rückweg. Ein von Wurzeln zersprengter Asphaltweg. Ich bleibe dran, ziehe mich an Läufer für Läufer nach vorne. Nur eine Frage bleibt jetzt im Kopf: Was kann ich noch? Die Beine sind schwer, doch das Ziel ist schon so nah. Fünf Kilometer, die in Gedanken nur noch ein Katzensprung sind. Nur der Mut fehlt, schon jetzt das Tempo vollends anzuziehen und dennoch absolviere ich die zweiten zehn Kilometer in etwa 39:20.
Ich versuche im Kopf zu berechnen, was noch möglich ist, was heute drin sein wird. Schnell stelle ich aber fest, dass das alles egal ist. "Irgendetwas unter 1:24", wenigstens das Unterbewusstsein ist vollends zufrieden und lässt mich laufen. Einfach weiter, immer weiter.

Gänsehaut und Grenzerfahrung ...
Der letzte Kilometer wird noch einmal anstrengend. Richtig anstrengend. Minimal geht es bergauf, der Vordermann ist zu weit weg und ich erahne die fiese Zielkurve. Ich höre die Zuschauer und die Gänsehaut beginnt. Das ganz große Kino hat geklappt.
Die Zielkurve verhindert einen wahren Zielsprint. Der Pulsgurt rutscht herunter und ich fliege mit letzter Kraft hindurch, stolpere in den Zielbereich und verschwinde in einer anderen Welt.

Die Kraft zum Freudenschrei fehlt, der Blick für die genaue Zeit ebenso. Zehn Minuten lang gehe ich auf und ab, schnappe mir bei jeder Runde einen Becher Apfelsaftschorle (die sind aber auch winzig!) und versuche keinesfalls stehen zu bleiben. Die Muskeln geben mir das Gefühl, jeden Moment zu versagen.

Anstrengung und Schmerz - aber glücklichNach 15 Minuten Erholung: Das breite Grinsen.Neuwied - der beste Ort zum Laufen?In dieser Gesellschaft kann nichts schief gehen: Glückwunsch zum HM-Debüt, Eva!


Futtern und freuen
Mit drei halben Bananen und zwei Scheiben Brot bestückt begebe ich mich schließlich zu den Anderen und kann Julia beruhigen, dass es mir langsam wieder gut geht. Eigentlich mehr als gut. Richtig gut. Irgendwie grandios. Was ich bereits im Unterbewusstsein weiß, wird mir aber erst später so richtig klar. Zu sehr rebellieren die Muskeln.
Ich wechsele schnell die Kleidung und laufe dann in dem langsamsten Tempo des Jahres Eva entgegen, die in Begleitung von Gerd und Steffen ihr Halbmarathon-Debüt gibt. So finde ich wieder zu Kräften und kann die drei mit einem breiten Grinsen begrüßen.

Zwischenzeiten Deich-Halbmarathon Neuwied
Der Weg zum perfekten Halbmarathon: Kein zu schneller Start


Der Lohn für die Qual
Gemeinsam wird schließlich erholt und gefeiert. Während Eva beim Rhein-Wied-Cup in der Altersklasse Zweite wird, darf ich mich mit der zweiten Teilnahme nach dem Bahnlauf über den Dritten Platz in der Cupwertung sowie den Altersklassensieg, den 12. Gesamtplatz und eine grandiose 1:23:36 beim 1. Deich-Halbmarathon in Neuwied freuen.
Ein mehr als grandioses Wochenende - vor allem auch wegen der Anwesenheit von euch herzallerliebsten Fremden Freunden -, auch wenn ich von der Strecke nichts mitbekommen habe. Das riecht nach Wiederholung.

Statistik:

Deich-Halbmarathon
Ort/Datum: Neuwied, 02.10.2010 Distanz: 21,1 km
Startnummer: #41 Zeit: 1:23:36
Platzierungen: 1. von 16 (AK), 12. von 312 (Gesamt)
Veranstalter: http://www.neuwieder-stadtlauf.de/
Ergebnisse: http://www.bernath.info/Neuwieder%20Stadtlauf/h...
Besten Läufe über 21,1 km
13.10.2012 1. Göteborg Halvmarathon 1:16:14 (3:37) Bestzeit
02.10.2010 2. Deich-Halbmarathon 1:23:36 (3:58) -7:22
11.09.2011 3. Deich-Halbmarathon 1:23:54 (3:59) -7:40
30.03.2013 4. Pfalzmeisterschaften Halbmarathon 1:25:09 (4:02) -8:55
02.10.2011 5. Köln-Halbmarathon 1:27:35 (4:09) -11:21

Siehe auch

21 Kommentare

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antworten #1 Feuerpferdle 07.10.2010, 19 Uhr
Feuerpferdle
Danke für diesen Bericht, Hannes. Interessant, das Ganze nochmals aus Deiner Sicht zu lesen - mit dieser unglaublichen Zeit von 1:23 und ein paar "verquetschte", wie der Badner zu sagen pflegt...
antworten #2 Evchen 07.10.2010, 20 Uhr
Evchen
Mein Lieber,

daß Du mir unheimlich ans Herz gewachsen bist, wie sehr ich mich mit Dir freue ... da ist alles gesagt. ;-)
Fühl Dich fest gedrückt und überleg` Dir, wann wir uns das nächste Mal sehen. :-D

Dein Beitrag ist nochmal spannend, weil es wieder einen anderen Blick auf den gleichen Samstag gibt. Witzig.
antworten #3 Pienznaeschen 07.10.2010, 20 Uhr
Pienznaeschen
Ich habe das schon erwähnt, aber ich dachte wirklich das da bei Dir was kaputt gegangen sein muss - um so erstaunter haben der Mann und ich uns angeguckt als Du Evchen entgegen gelaufen bist, das sah dann wieder locker aus.

Ein großer Ding mein Lieber, Du bist riesengroß ;)

Und nuur gut das Du auch ein Rechenmeister bist, ich hätte da nix mehr rechnen können, so absolut nichts mehr ;)
antworten #4 Chris 07.10.2010, 21 Uhr
Chris
Massiv! Einfach massiv grossartig! Perfekte Lauftaktik. Eine Zeit, von er man nur träumen kann. Mann, Hannes, du hast dich gemacht! Jetzt müssten eigentlich die Sponsoren langsam aufmerksam auf dich werden :-))
antworten #5 Hugo 07.10.2010, 21 Uhr
Hugo
Herzlichen Glückwunsch zu der tollen Leistung. Grossartig !
antworten #6 marcus 07.10.2010, 21 Uhr
marcus
Herzlichen Glückwunsch zu dieser Leistung. Gut und sauber zu trainieren ist das Eine, dann das Leistungspotential im Wettkampf auch auf die Straße zu bringen das Andere. Freue mich sehr für Dich, dass es so gut geklappt hat. Mit meinem Zeit-Tipp lag ich ja ganz gut.
Mir gefällt Dein Vorstartverhalten. Schicke Sache mit dem in-the-zone gehen.
Das mit dem Rechnen kenne ich gut. Ich mach fast auch nix anderes beim Rennen.
antworten #7 Jörg 07.10.2010, 22 Uhr
Jörg
Herzlichen Glückwunsch!
Nun da bin ich mal auf die Zeit beim Matathon gespannt. So wie ich Dich kenne wirst Du den mit einer 2er Zeit laufen. Wow.
Ichhabe meinen Berlin-Marathon nun mit 4:23h geschafft (23Minuten ;-) ) 55 Minuten besser als vor 4 Monaten in Stockholm. Nun greife ich nach der 3er Zeit ;-) 2011.
antworten #8 Hotte 07.10.2010, 22 Uhr
Hotte
Glückwunsch zu dieser unglaublichen Zeit und dem AK-Sieg. Viel faszinierender als die Zielzeit finde ich die punktgenauen Zwischenzeiten. Das zeigt die optimale Vorbereitung. Und auch der Bericht ist klasse geschrieben.
antworten #9 Sinusläufer 07.10.2010, 23 Uhr
Sinusläufer
Schöner Bericht! Ich freue mich dabei gewesen zu sein. Unfassbar fand ich aber wie schnell du wieder in der Lage warst zu laufen. Ich hab dich gar nicht gesehen wie du Richtung den dreien gelaufen bist.
Nochmal herzlichen Glückwunsch!
antworten #10 ultraistgut 08.10.2010, 08 Uhr
ultraistgut
Lieber, lieber Hannes, ich sagte es schon: wir - die große Blog-Familie - können nur stolz auf dich sein, du bist der Hammer, das gefällt mir wenn junge Dudis wie du voller Ehrgeiz und mit Köpfchen ihr Ziel erreichen, ja sogar noch übertreffen, stark, stark, stark und kommst dabei mordsmäßig sympathisch rüber.

Bravissimo !
antworten #11 Gretel 08.10.2010, 08 Uhr
Gretel
Hallo Hannes,
wunderbarer Bericht und wie es aussieht ein feiner Lauf. Ich denke da hast Du alles richtig gemacht. Nicht zu schnelles angehen (das Mantra kenn ich), dann fein die Kilometer abspulen, in den Körper horchen und die Zeiten hochrechnen. Wenn ich Deine Kilometerzeiten richtig interpretiere, hat Dich die Bergabpassage mit den Sambatrommlern noch einmal richtig in Fahrt gebracht (ich werde bei sowas auch immer schneller mit 'aut von Gans). Hinten raus beißen und kämpfen nd dann mit einer SuperZeit dastehen. Dafür laufen wir oder? :))
Viel Erholung noch und Spass weiterhin.

BG
Christian
antworten #12 Steffen 08.10.2010, 10 Uhr
Steffen
Gaaaaanz großes Kino, und zwar nicht nur dein fabelhafter Halbmarathon, sondern auch und im Besonderen das Treffen mit dir!

Danke, TURBOHANNES, das war ein unvergessliches Wochenende!

So, und zu deiner Leistung auch an dieser Stelle:
Ich verneige mich vor deiner neuen PB und gratuliere dir von ganzem Herzen!

Hannes, ich bin mir sicher, von dir werden wir alle noch sher viel hören, du hast ein unglaubliches Potenzial und den entsprechenden Willen und die Zähheit dazu!

Ganz herzliche Grüße von den Runningfreaks,
Steffen
antworten #13 Ruben 08.10.2010, 10 Uhr
Ruben
Wohooo... 2 Mal 10 Kilometer in Sub40... ganz großes Kino.

Gratuliere, lieber Hannes!!!
antworten #14 Torsten 08.10.2010, 11 Uhr
Torsten
Herzlichen Glückwunsch!!!
Ich kann nicht fassen das man so schnell laufen kann, ohne das man sich ein Schnitzel anbindet und sich von Hunden hetzen lässt. ;-)
Mach weiter so!!!
antworten #15 risinghigh 09.10.2010, 10 Uhr
risinghigh
Hi Hannes,

Du hast die tollen Ergebnisse aus den Unterdistanzen hervorragend auf die Halbmarathonstrecke übertragen und mit der grandiosen Bestzeit Dein Laufjahr 2010 gekrönt !

Herzliche Gratulation !

risinghigh
antworten #16 Hannes 09.10.2010, 14 Uhr
Hannes
Danke euch!

@Evchen:
Ein Glück, dass ich nach "hier unten" gezogen bin, wa? :-)

@Pienznaeschen:
Das hat ja bei mir auch nicht so recht geklappt.

@Chris:
Die Sponsoren warten bestimmt noch, bis ich den Marathon unter 2:30 laufe ...

@Sinusläufer:
Dabei hat das dieses Mal deutlich länger als sonst gedauert. Du hättest mich mal bei einem der üblichen Läufe sehen sollen ;-)

@Gretel:
Der richtig schnelle Kilometer dazwischen ist mir unterwegs auch gar nicht sonderlich aufgefallen. Dafür hätte ich aber die letzten fünf Kilometer eigentlich schneller erwartet.
antworten #17 Andy 09.10.2010, 15 Uhr
Andy
Herzlichen Glückwunsch Hannes zu dieser unglaublichen Zeit! Ich bin echt tierisch gespannt wie du dich in den nächsten Jahren noch entwickeln wirst. Du hast echt ein riesen Potenzial!
antworten #18 Brennr.de 10.10.2010, 23 Uhr
Brennr.de
Glückwunsch, Hannes!
Tja, was soll ich da noch schreiben? Meine Skepsis hat Dich anscheinend beflügelt. Mit einem Schnitt von unter 4 Minten hast Du es mir aber mal richtig gezeigt. Echt klasse! :-)
Und das Drumherum muss ja mindestens genauso toll gewesen sein. Einfach nur perfekt, oder?
antworten #19 Simon 11.10.2010, 09 Uhr
Simon
Auch von meiner Seite Glückwunsch für den tollen Lauf!
Der Bericht ist ja mal so was von mitreisend geschrieben. Super.
antworten #20 Marcel 11.10.2010, 12 Uhr
Marcel
Lieber Hannes, auch von mir mal die herzlichsten Glückwünsche zu diesem genialen Ergebniss. Von diesen Zeiten träume ich noch und du bist mir diesbezüglich ein Großes Vorbild. Auch ich hatte an diesem Wochenende einen unvergeslichen Wetkampf der mir großen Spass gemacht hat. Bei dir bin auch ich genau so wie Steffen und die anderen mal gespannt was wir in Zukunft noch von dir hören bzw lesen werden.
Liebe Grüße
Marcel
antworten #21 Laufen mit Willi 16.10.2010, 12 Uhr
Laufen mit Willi
Auf diese Leistung kannst du echt stolz sein. Bei meinem HM in Graz letzte Woche habe ich mehrmals an deine Erfolgsstory gedacht. Aber ich bin da noch in einer anderen Liga... ;-)

Lg
Willi

PS: Bleib auf jeden Fall dran!
1. FC Kaiserslautern