Volldampf, Volldampf! schallte es mir entgegen, als ich an zwei älteren Herren vorbei lief. Volldampf war das allerdings nicht mehr, was ich hier zeigte. Dennoch gab es meinerseits nur ein keuchendes Moin! zu hören. Das vierte der 2.000er-Intervalle hatte gerade begonnen. Mit letzter Kraft und schweren Beinen kämpfte ich mich die kleine Steigung nach Brodersdorf hoch. Die bisherigen Tempostücke hatten an den Kräften gezehrt. Der letzte Kilometer, ein kurzes Aufwachen, noch einmal beschleunigen ... geschafft. Mit einem kleinem Piep! beendet meine Uhr mein heutiges Intervalltraining. Langsam wird weiter gelaufen. 12 Kilometer stecken nun in den Beinen, knappe zwei kommen noch hinzu.
So ist es üblich. Dienstag für Dienstag kämpfe ich mich über die Tartanbahn oder meine Tempostrecke. Dienstag für Dienstag hetze ich mich durch meine beiden Freistunden. Dienstag für Dienstag kehre ich dann erschöpft und doch völlig erfrischt in die Schule zurück. Diese eine Freude lasse ich mir nicht nehmen.
Ich kann allerdings nicht leugnen, dass ich heute beinahe zu Hause geblieben wäre. Die gestrigen Staffelsprints im Sportunterricht sind nicht ganz spurlos an mir vorbei gegangen. Heute Morgen war mein Körper von Muskelkater belagert. Die Waden sind schwer, die rechte Schulter meckert am lautesten. Der innere Schweinehundhat gewinselt, gejammert und geschrieen.
„Lass mich in Ruhe! Nur heute. Nur diesen einen Tag. Warum kannst du nicht wie andere Schüler die zwei Stunden für ein zweites Frühstück oder für etwas Zeit mit Sendungen dem Motto "Die Dümmsten kommen ins Fernsehen" entsprechend nutzen? Du kannst doch auch heute Nachmittag eine Runde drehen.“
Der kleine Jammerlappen hat aber keine Chance gegen mich. Nicht des Trainingsziels wegen. Ich könnte auch am Nachmittag oder morgen das Intervalltraining machen, kein Problem. Nein. Es ist die Freude am Kampf gegen mich selbst, die mich wieder auf die Straße treibt.
Unterwegs wird der Muskelkater vergessen. Kein Wunder, dass ich die ersten beiden 2.000er etwas schnell angehe: 3:53er- und 3:45er-Schnitt. Mit Rückenwind und bergab läuft es sich einfacher, dass muss ich auf dem Rückweg einsehen. Gleichmäßiges Tempo ist etwas anderes, und doch bin ich höchst zufrieden. Unterwegs gelang es mir sogar wieder, zwei Rehe und zwei Reiher zu sehen. Freude pur.
Nach etwas über einer Stunde steige ich völlig verschwitzt unter die Dusche und betrete nur etwas später bestens gelaunt die Schule. Nur das Hinsetzen und Umhergehen funktioniert nicht mehr ganz so schnell.
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