Training // 20.07.2009

Nasses Radfahren

Ob ins Freibad in der nächsten Stadt (10,5 km) oder zu einer Freundin auf der anderen Seite der Stadt (20,4 km), der normale Bürger würde das Auto nehmen, wenn er dazu die Möglichkeit hat. Es ist bequem und geht schnell. Mit dem Auto sind es in etwa 15 und 30 Minuten, kostet nicht viel und die Umwelt - ach, es macht doch jeder immer. Eben das ist es. 30-mal ins Schwimmbad, Hin- und Rückweg, das macht 600 Kilometer. Das ist mir definitiv zu viel, man kann schließlich auch öffentliche Verkehrsmittel nutzen, auch wenn es dann 30 und 60 Minuten dauert. Und was ist mit dem Fahrrad? Ca. 24 / 48 Minuten - meiner Meinung nach die beste Wahl.

So habe ich es dementsprechend auch Freitag und Samstag gehandhabt. Zunächst stand am Freitag eine Stunde schwimmen im Freibad Katzheide auf dem Programm. Es war zwar noch warm bei 25 Grad, aber die Sonne verzog sich so langsam. Mich sollte es nicht stören. Dass der Schweiß auf das Rad tropft, bin ich gewohnt. Daher bin ich zuletzt auch immer mit Wechselklamotten in der Satteltasche unterwegs - und beim Schwimmen kann ich mich ohnehin kalt abduschen. (Was bringen "Duschmarken", die jeder Badegast erhält und mit denen man einmal die Tür zu einer warmen Dusche (beliebig lange) öffnen kann?)

Am Nachmittag sollte es dann zu der Freundin nach Mielkendorf gehen, eigentlich wollte ich um 15 Uhr losfahren. Wie berichtet war aber für 15 Uhr das Unwetter angekündigt. Ich frage kurz nach und starte dann bereits um 13:49 Uhr - Starkregen war in Mielkendorf bereits angekommen, zum Glück aber ohne Gewitter. Bereits nach 500 Metern fallen die ersten Regentropfen. In T-Shirt und kurzer Hose genieße ich den Regen. Es ist wie ein plötzlicher Sinneswandel, den ich erfahre, wenn ich in Funktionskleidung stecke, plötzlich liebe ich den Regen und werde gerne nass, so auch auf dem Fahrrad. Zusätzlich hält der Helm sogar den Regen größtenteils von meinem Gesicht fern.

Mit der Unwetterwarnung im Hinterkopf achte ich aber stets auf das Wetter. Einen einzigen Blitz mit Donner nahm ich war - weit entfernt. Durchgehend hielt ich Ausschau, wo ich mich unterstellen könnte - grundlos. Es regnete zwar durchgehend weiter, aber das sollte mich nicht stören. Stattdessen grüßte ich mir entgegen kommende Radfahrer mit einem breiten Grinsen, freute mich des Lebens und war kurz davor, allen grimmigen Menschen ein Ist das nicht herrlich? ins Gesicht zu brüllen. Kein Weg führte an den großen Pfützen vorbei, sodass das Rad und Ich bald wie sonstwas aussahen. Auf den letzten Kilometern gab es dann das einzige Ärgernis. Ich fahre brav auf dem Radweg, als ein LKW an mir vorbei fährt - mitten durch die Pfütze. Ich habe ja nichts dagegen, nass zu werden. Aber wenn ein stinkender LKW ein große Ladung warmes, abgestandenes, dreckiges Wasser auf deinen gesamten Körper befördert - herzlichen Dank.

Am Samstag gab es den zweiten Streich. Wir waren bei Verwandten in Melsdorf zum Grillen eingeladen, von Mielkendorf nur 7,6 Kilometer entfernt. Was liegt da näher, als auch dort mit dem Fahrrad zu erscheinen? Eine kurze Fahrt, die mich hungrig ans Ziel bringt. Dort werden wir von einem Regenschauer nach dem anderen überrascht und als es gegen halb elf zurück gehen soll, bieten meine Eltern mir ein weiteres Mal an, das Fahrrad ins Auto zu laden. Kommt für mich nicht in Frage, ich bleibe stur. Der Regen hat aufgehört, nur Fahrrad und Straßen sind nass. Auch das Licht hatte ich vorsichtshalber mitgenommen - es hat sich gelohnt. Über die leeren Straßen geht es im Dunkeln zurück nach Hause, nur am Hauptbahnhof ist einiges los, kein Wunder: Samstag Nacht. Zuhause angekommen geht es dann erst einmal in die warme Badewanne.

Insgesamt sind es damit diese Woche fast 90 Kilometer auf dem Rad. Wenn man bedenkt, dass ich das sogar mal gelaufen bin, ist es nicht viel. Aber das ist lange her. ... und mit Laufen, Schwimmen, Radfahren und Gymnastik komme ich in dieser Woche auf fast zehn Stunden Sport, so lässt es sich leben.