Nasses Radfahren

„Viel mit dem Rad im Regen unterwegs”

Ob ins Freibad in der nächsten Stadt (10,5 km) oder zu einer Freundin auf der anderen Seite der Stadt (20,4 km), der normale Bürger würde das Auto nehmen, wenn er dazu die Möglichkeit hat. Es ist bequem und geht schnell. Mit dem Auto sind es in etwa 15 und 30 Minuten, kostet nicht viel und die Umwelt - ach, es macht doch jeder immer. Eben das ist es. 30-mal ins Schwimmbad, Hin- und Rückweg, das macht 600 Kilometer. Das ist mir definitiv zu viel, man kann schließlich auch öffentliche Verkehrsmittel nutzen, auch wenn es dann 30 und 60 Minuten dauert. Und was ist mit dem Fahrrad? Ca. 24 / 48 Minuten - meiner Meinung nach die beste Wahl.

So habe ich es dementsprechend auch Freitag und Samstag gehandhabt. Zunächst stand am Freitag eine Stunde schwimmen im Freibad Katzheide auf dem Programm. Es war zwar noch warm bei 25 Grad, aber die Sonne verzog sich so langsam. Mich sollte es nicht stören. Dass der Schweiß auf das Rad tropft, bin ich gewohnt. Daher bin ich zuletzt auch immer mit Wechselklamotten in der Satteltasche unterwegs - und beim Schwimmen kann ich mich ohnehin kalt abduschen. (Was bringen "Duschmarken", die jeder Badegast erhält und mit denen man einmal die Tür zu einer warmen Dusche (beliebig lange) öffnen kann?)

Am Nachmittag sollte es dann zu der Freundin nach Mielkendorf gehen, eigentlich wollte ich um 15 Uhr losfahren. Wie berichtet war aber für 15 Uhr das Unwetter angekündigt. Ich frage kurz nach und starte dann bereits um 13:49 Uhr - Starkregen war in Mielkendorf bereits angekommen, zum Glück aber ohne Gewitter. Bereits nach 500 Metern fallen die ersten Regentropfen. In T-Shirt und kurzer Hose genieße ich den Regen. Es ist wie ein plötzlicher Sinneswandel, den ich erfahre, wenn ich in Funktionskleidung stecke, plötzlich liebe ich den Regen und werde gerne nass, so auch auf dem Fahrrad. Zusätzlich hält der Helm sogar den Regen größtenteils von meinem Gesicht fern.

Radstrecke
Die Strecken: Heikendorf - Mielkendorf - Melsdorf - Heikendorf

Mit der Unwetterwarnung im Hinterkopf achte ich aber stets auf das Wetter. Einen einzigen Blitz mit Donner nahm ich war - weit entfernt. Durchgehend hielt ich Ausschau, wo ich mich unterstellen könnte - grundlos. Es regnete zwar durchgehend weiter, aber das sollte mich nicht stören. Stattdessen grüßte ich mir entgegen kommende Radfahrer mit einem breiten Grinsen, freute mich des Lebens und war kurz davor, allen grimmigen Menschen ein Ist das nicht herrlich? ins Gesicht zu brüllen. Kein Weg führte an den großen Pfützen vorbei, sodass das Rad und Ich bald wie sonstwas aussahen. Auf den letzten Kilometern gab es dann das einzige Ärgernis. Ich fahre brav auf dem Radweg, als ein LKW an mir vorbei fährt - mitten durch die Pfütze. Ich habe ja nichts dagegen, nass zu werden. Aber wenn ein stinkender LKW ein große Ladung warmes, abgestandenes, dreckiges Wasser auf deinen gesamten Körper befördert - herzlichen Dank.

Am Samstag gab es den zweiten Streich. Wir waren bei Verwandten in Melsdorf zum Grillen eingeladen, von Mielkendorf nur 7,6 Kilometer entfernt. Was liegt da näher, als auch dort mit dem Fahrrad zu erscheinen? Eine kurze Fahrt, die mich hungrig ans Ziel bringt. Dort werden wir von einem Regenschauer nach dem anderen überrascht und als es gegen halb elf zurück gehen soll, bieten meine Eltern mir ein weiteres Mal an, das Fahrrad ins Auto zu laden. Kommt für mich nicht in Frage, ich bleibe stur. Der Regen hat aufgehört, nur Fahrrad und Straßen sind nass. Auch das Licht hatte ich vorsichtshalber mitgenommen - es hat sich gelohnt. Über die leeren Straßen geht es im Dunkeln zurück nach Hause, nur am Hauptbahnhof ist einiges los, kein Wunder: Samstag Nacht. Zuhause angekommen geht es dann erst einmal in die warme Badewanne.

Training an Freitag und Samstag
Training an Freitag und Samstag

Insgesamt sind es damit diese Woche fast 90 Kilometer auf dem Rad. Wenn man bedenkt, dass ich das sogar mal gelaufen bin, ist es nicht viel. Aber das ist lange her. ... und mit Laufen, Schwimmen, Radfahren und Gymnastik komme ich in dieser Woche auf fast zehn Stunden Sport, so lässt es sich leben.

14 Kommentare

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antworten #1 Ronald 20.07.2009, 06 Uhr
Ronald
Hallo,
naja - ich könnte mir besseres Wetter vorstellen. Im strömenden Regen durch die Gegend zu fahren ist dann sicher nicht mein Ding. Aber klasse, dass Du hart geblieben bist und nicht immer in das Auto gewechselt bist. Ich hätte sicher nachgegeben. :-)
antworten #2 Sarah 20.07.2009, 09 Uhr
Sarah
Fleißig, fleißig! Ich komme nicht mal auf 9 km Radfahren pro Woche. ;-) Aber das soll sich jetzt auch wieder ändern. An dein Sportpensum komm ich zwar wohl trotzdem nicht dran, aber muss ja auch nicht sein.

Ich kann es beim Radfahren allerdings überhaupt nicht leiden, wenn es regnet. Beim Laufen interessiert mich Regen überhaupt nicht, beim Radfahren finde ich ihn fürchterlich.
antworten #3 Marcus 20.07.2009, 09 Uhr
Marcus
Als ich das letzte Mal vom Regen beim Radfahren überrascht wurde, hat mir das gar nicht gefallen. Mein Tempo hat sich dann leicht erhöht, um ins Trockene zu kommen und meine Kamera zu retten. Ansonsten war es schön! ;)
antworten #4 Evchen 20.07.2009, 13 Uhr
Evchen
Ich würde ja jetzt eigentlich mein Mirgefühl aussprechen, wenn ich nicht wüßte, daß Du den Regen so magst. Mich schüttelt es trotzdem bei der Vorstellung. ;-)
antworten #5 Christian 20.07.2009, 14 Uhr
Christian
He Hannes, schön wie sich die Gedanken beim Sport im Regen ähneln, allerdings mag ich den Regen nur beim Laufen und weniger beim Radfahren, da ich finde, da kommt das meiste Wasser von unten hochgespritzt.
Trotzdem finde ich Dein Denken und Handeln extrem umsichtig und nachahmenswert

Salut
antworten #6 Chris 20.07.2009, 14 Uhr
Chris
10 Stunden Sport die Woche! Auf soviel komme ich nur, wenn ich zwei Wochen aneinanderhänge. Aber die Zeitfenster sind halt verschieden.
Ich fahre bei uns auch oft mit dem Rad ins Freibad, auch wenn der 8 km Anstieg (rund 200 Höhenmeter) bei 28 Grad oder mehr schon etwas ungesund ist....
Und wenn ich daran denke, dass es Leute in unserem Dorf gibt, welche mit dem Auto zum Bäcker fahren, der 500 m weiter vorne liegt? Der Weg zur Garage ist fast weiter... ;-)
antworten #7 ultraistgut 20.07.2009, 16 Uhr
ultraistgut
Also, ich verstehe dich und würde des genauso tun, was ist schon Regen ? Wozu haben wir gute Klamotten, einen Helm, Autofahren kann schließlich jeder.

Auch ich fahre in der Umgebung nur mit dem Fahrrad, und wenn ich mal in ein Regenloch komme, egal, was ist schon Regen.

Derzeit allerdings haben wir Sturm, starken Gewitterregen, da sitze ich lieber hier !

Sonst reiche ich dir gerne die Hand, was Radfahren angeht ! 8)
antworten #8 Farmin Gorerunner 20.07.2009, 19 Uhr
Farmin Gorerunner
Egal ob Kiel oder der Süden Deutschlands, momentan ist das Wetter wohl überall bescheiden und nichts ist planbar!
Ich finde, dass der Regen beim Radfahren wesentlich "schlimmer" ist. Ohne Brille geht's nicht und mit sieht man aber auch nichts ;-)
Wie ist es bei Dir?
antworten #9 Pienznaeschen 20.07.2009, 22 Uhr
Pienznaeschen
Passiert es eigentlich manchmal das Dich Menschen komisch angucken und für unnormal halten? ;) Ich finde es klasse was Du alles per Rad anstellst und vor allem mit welcher Überzeugung und welchen Spaß Du dies tust.

Ich mag Regen auch, manchmal als Highlight aber nicht zu oft ;)
antworten #10 unimatrrix_zero 21.07.2009, 08 Uhr
unimatrrix_zero
Ich habe auch kein Auto da alle Wege die ich zu erledigen habe hier in der Stadt liegen und da sind Nahverkehr und Fahrrad die Alternative und es geht fast ebenso schnell wie mit dem Auto.
Ausserdem gibt es Dampf in den Beinen, das ist gut fürs Laufen. Tja und das breite Grinsen der anderen Bekloppten die dir bei strömenden Regen entgegen kommen möchte ich auch nicht missen
antworten #11 Ramin 21.07.2009, 10 Uhr
Ramin
Früher hab ich das auch gemacht - sobald es geregnet hat mit Kumpel in den Park gefahren - da waren wir dann (fast) die einzigen und konnten wie die Berserker unsere Mountainbikes malträtieren... heute bin ich verweichlicht ;-)

Aber hier in Thailand ist gerade noch Regenzeit, und da schüttet es immer wieder mal für eine halbe Stunde wie aus Eimern. Dann gehe ich auch gerne raus und genieße den Regen einfach. Kalt wird's hier eh nicht und das geprassle und die Luft sind einfach toll.
antworten #12 MS 21.07.2009, 11 Uhr
MS
Ich ziehe es bei diesem Wetter aber eher vor den ÖPNV zu nutzen. Leider ! Aber mit dem was ich tagtäglich im Rucksack rumschleppe ist das etwas sehr gewagt. Mac, Bücher, Futter - wenn mein armer Mac nass wird - nicht auszudenken.
antworten #13 Bonafilia 21.07.2009, 12 Uhr
Bonafilia
Toll, deine Sturheit ist beneidenswert. Ich als Radfreak wäre sicherlich, bei der Gelegenheit nach dem Grillabend ein Auto zu benutzen, schwach geworden! ;)

Wenn ich alleine unterwegs bin nehme ich auch gerne das Fahrrad, aber das Töchterlein will auch oft mit und hier im Bergischen sind die Anstiege für die kleinen Muskeln meiner 5 jährigen noch zu steil. Doch die Erziehung zielt darauf ab das Fahrradfahren schöner ist als Autofahren....es wirkt. Töchterlein ist ganz versessen aufs Radeln!

Liebe Grüße und sei weiterhin so fleißig!
antworten #14 Hannes 21.07.2009, 15 Uhr
Hannes
@Ronald:
Besseres Wetter? Ja, doch. Auf Dauer fahre ich auch sicher lieber bei Sonnenschein, alleine um braun zu werden :D

@Sarah:
Das war bei mir auch nicht immer so. Wobei ich mindestens 10 Kilometer eigentlich nur durch den Schulweg hatte - aber pro Woche ist das nicht viel.

@Marcus:
Erhöhtes Tempo bei Regen kenne ich gut, nicht nur auf dem Rad sondern auch beim Laufen. Das kommt fast von alleine - stören tut es mich nicht. Mit der Kamera muss man in dem Fall aber natürlich aufpassen.

@Evchen:
Alles klar. Das nächste Mal warne ich dich vor: Nicht lesen, Schüttelgefahr! ;D

@Christian:
Zum Glück kann ja jeder selbst entscheiden, was er in dem Moment macht. Um die Strecken zu laufen, fehlen mir aber derzeit noch die Beine/Knie. Sonst würde ich das auch in Betracht ziehen.

@Chris:
Ich vermute, dass zumindest in den Sommermonaten (zum Glück eigentlich vorbei) meine Zeit als Zivi auch sehr eingeschränkt sein wird.

@ultraistgut:
Die guten Klamotten machen es bei mir einfach aus. In Jeans draußen im Regen stehen oder fahren? Bah, wie eklig.

@Farmin Gorerunner:
Ich trage Kontaktlinsen, das genieße ich vom ersten Tag an. Und ins Gesicht ist auf dem Rad nur wenig Wasser gekommen - der Helm hat beste Arbeit geleistet.

@Pienznaeschen:
Manchmal? Eigentlich werde ich pausenlos komisch angestarrt. Aber mir gefällt es. Und ich verstehe auch durchaus, wenn nicht jeder so handelt. Nur ein wenig Umweltbewusstsein bei jedem wäre schön.

@unimatrrix_zero:
Ein gutes Training ist es allemal.
Ich verstehe auch nicht die ganzen Jugendlichen, die sich einen Roller kaufen oder spätestens zum 18. ein Auto bekommen. Wozu? Es hat die Jahre vorher auch geklappt (Ausnahmefälle verstehe ich natürlich, wenn man sonstwo wohnt ...).

@Ramin:
Das stimmt, bei kaltem Regen sollte man vorsichtig sein, der arme Körper. Aber selbst den dauernden Regen in Sommerkleidung in Dänemark hat mein Immunsystem gut durchgestanden.

@MS:
Festplatte und Handy hatte ich auch mit, die Satteltasche hat zum Glück einen guten Regenschutz =)

@Bonafilia:
Ich bin stolz auf dich. Selbst so zu handeln ist eine Frage der Einstellung. Aber die Einstellung weiterzugeben, anderen Mitmenschen das gleiche zu vermitteln, auch noch erfolgreich - super!
1. FC Kaiserslautern