» Harter Kopf

„Langer Lauf in den Pfälzerwald”

Laufhannes
Von Beginn an nass

Von der Mittagssonne ist nicht viel zu sehen. Zehn Minuten bin ich unterwegs, direkt in den Pfälzerwald hinein, wo die Bäume mich vor schlimmerem bewahren. Zehn Minuten und der Schweiß läuft wie ein Wasserfall durch das Gesicht. Den Trinkrucksack könnte ich schon jetzt bis zum letzten Tropfen aussagen, doch mir steht noch einiges bevor.

Trotz Mittagshitze ist eine längere Tour in den Pfälzerwald der Plan. In südöstlicher Richtung durch das Hungerbrunnental und über den Dammberg zum vielversprechenden Berg Harter Kopf. Ob nun in der eigenen Wohnung oder beim Laufen im Wald - einmal gratis im eigenen Schweiß zu baden ist heute überall inklusive.

Beim Betreten des Waldes werde ich vor bestehender Lebensgefahr gewarnt: "herabfallende Dürräste und umstürzende Eichen". Unbeirrt laufe ich weiter, genieße den Schatten, den Eindruck der mächtigen Bäume, des unendlichen Waldes. Zumindest soweit ich das schaffe. Zwei Kilometer folge ich der weiß-roten Markierung des Wanderweges, bis es rechts runter zur Straße geht - falsch - oder geradeaus auf die Schienen zu - ganz falsch. Ich trabe zurück, fast 300 Meter, bis ich die vom dichten Blattwerk versteckte Markierung finde und einen abenteuerlichen, schmalen Pfad hinab stolpere.

So gehört sich ein echter Wald. Suchspiel Nr. 1: Finde die Wegmarkierung. Suchspiel Nr. 2: Finde die Wegmarkierung. Eine Lichtung mit Blick auf ... nichts.

An einer Lichtung halte ich inne, genieße den Moment und versuche mit dem Laufshirt den Schweiß aus dem Gesicht zu wischen. Ohne Erfolg. Selbst das unterste Ende der Laufshorts ist wie frisch aus dem Wasser gezogen. Ich laufe also weiter, quäle mich mühsam den Dammberg hinauf. Laut schnaufend und wie ein undichter Wasserhahn tropfend sehne ich hinter jeder Kurve den Gipfel herbei. Zugegeben, dank der dichten Bewaldung und des überall hügeligen Terrains gibt es keinen wirklichen Gipfel, aber wenigstens sollte es irgendwann hinab gehen. Zwei Kilometer und 130 Höhenmeter später ist es soweit, bevor ich eher unbemerkt das eigentliche Tagesziel umrunde, den Harten Kopf.

Kaum ein Baum, der nicht markiert ist. Langsam aber stetig bergauf. Nicht jede Markierung weist auf einen guten Weg hin. DAS ist Wald.

Danach trete ich den Rückweg an, eigentlich einfach. Der Himmelsrichtung nach, an den Kreuzungen nach Lust und Laune einen der vielen Wege wählen. Hier gibt es so viele, irgendwie findet man schon zurück - solange man echte Wege findet. Kurz nachdem ich, immerhin 11 km nach dem Start, mit einer mitten auf dem Weg liegenden Kleinfamilien die ersten Menschen sehe, wähle ich einen falschen Weg. Der zunächst noch vom "Defense Distribution Depot Europe" markierte Weg scheint höchstens dem Überlebenstraining dienen zu können.

So hohe Bäume gibt es im Norden selten. Die Erlösung kurz vor Schluss. Wasser, Wasser, Wasser ... Wasser, Wasser, Wasser ...

Langsame schlage ich mich durch das Unterholz, die Brennesseln streicheln zärtlich meine Schienbeine und von einer kleinen Wiese aus entdecke ich etwas weiter hinab einen Weg. Als ich kurz darauf die Schienen unterquere und auf den vom Dienstag bekannten asphaltierten Weg stoße, bin ich erleichtert. Während inzwischen der Trinkrucksack leer ist, kommt eine kleine Wasserstelle wie gerufen. Minutenlang halte ich den Kopf unter den Wasserstrahl, auch wenn Sekunden später der Kopf wieder trocken ist. Aber was soll ich mich beschweren, Wasser, eine letzte Erfrischung kurz bevor ich mich mit wackeligen Beinen wieder auf das Rad schwinge, um die kurze Heimfahrt anzutreten. Es hat sich gelohnt.

Tour in den Pfälzerwald
15,6 km - 356 Höhenmeter - 31°C
15 Kommentare

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antworten #1 Chris 12.07.2010, 00 Uhr
Chris
Grün, soweit das Auge reicht! Schöne Bilder, schöne Tour. Die zahllosen Wege uns Schneiden und Pfade gehören bei Wäldern immer mit dazu. Ohne guten Orientierungssinn kann eine Tour ungeahnte Längen finden.
antworten #2 Heike 12.07.2010, 04 Uhr
Heike
Klasse Bericht von der schönen Landschaft in der du laufen darfst. Das macht mich neidisch ;-). Du scheinst bei diesem Wetter auch erst richtig in Schwung zu kommen.
antworten #3 Evchen 12.07.2010, 12 Uhr
Evchen
Alles steht im eigenen Saft. *jammie*
Und trotzdem wirken die Bilder, als wäre es bei Dir im Wald himmlisch kühl. Wenn man aber mal unterwegs ist und nicht gerade dauerhaft unter der Sonne brät, geht es eigentlich, gell? Magst Du denn mal ein paar Ausflugstips haben oder bist Du mit der unmittelbaren Umgebung noch vollends ausgelastet?
antworten #4 Evchen 12.07.2010, 12 Uhr
Evchen
@Chris: Hast Du Dich gestern etwa auch verlaufen?;-)
antworten #5 Hannes 12.07.2010, 20 Uhr
Hannes
@Chris:
Man sollte daher bei jeder Tour in den Wald mindestens 25 Prozent vom eigentlich Möglichen abziehen. Da kann man auch schlecht ein Taxi rufen oder Anwohner um Wasser bitten.

@Evchen:
Theoretisch bin ich ausgelastet - aber wer will sich denn so schnell zufrieden geben? Immer her damit!
antworten #6 Brennr.de 13.07.2010, 00 Uhr
Brennr.de
Echt schöne Gegend! Hast Du eigentlich keine Angst, dass Du Dich verläufst? Bei dem Wetter sicher nicht lustig.
antworten #7 Bernd 13.07.2010, 08 Uhr
Bernd
Ein toller Lauf, wer das bei 31° schafft der muss wirklich ein "harter Kopf" sein, Respekt! :-)
antworten #8 Sinusläufer 13.07.2010, 21 Uhr
Sinusläufer
Du fackelst ja auch nicht lange bis Du schon wieder auf der Piste bist. Sehr schön zu erleben wie Du dein neues Laufrevier steckst.
Das Wasser ist in dem Moment mehr wert als alles andere.
antworten #9 Gerd 14.07.2010, 06 Uhr
Gerd
Willkommen in der Läufergenusswelt. Ist ne schöne Ecke hier. So sieht es bei uns im Odenwald auch aus.
Jetzt kannst Du nachvollziehen WIE traumhaft schön solche Touren sind. Fast menschleere Gebiete in riesigen Wäldern.
Alleine beim Gedanken daran könnte ich loslaufen.
Genieße deine Zeit!
Pass aber auf, dass Du nicht verschollen gehst. Der Pfälzerwald ist dünn besiedelt. ;-)
antworten #10 Jan 14.07.2010, 09 Uhr
Jan
Sehr schöner Bericht.
Kommst du, als Norddeutscher, eigentlich mit den Bergen zurecht? :P Benutzt du deinen Forerunner als Navigationshilfe, oder läufst du einfach drauf los?

Grüße
antworten #11 Martin 14.07.2010, 22 Uhr
Martin
Siehst du bei uns ist es schön ! :-)
Also jetzt weißt du ja wie unsere Läufe hier sind und ist bereit zu weiteren Taten! zum Thema Wegekreuzungen: Denk daran, der Pfälzer Wald ist das größte zusammenhängende Waldgebiet Deutschlands und nicht umsonst hielt das amerikanische Miltär hier ihr Überlebenstraining mit ihren Piloten ab.
Ps:Wie wäre es mit dem Lauf: der würde doch 100% zu dir passen. Werde wohl auch dort laufen, aber eher hinterher ;-)

http://www.tus06heltersberg.de/cms/?Laufabteilung%26nbsp%3B:Lindenparkfestlauf

Ist wirklich nahe bei dir und hervorragend organisiert. Und der Udo läuft auch mit ;-)
antworten #12 Hannes 14.07.2010, 22 Uhr
Hannes
@Brennr.de:
Mit GPS findet man schon irgendwie zurück.

@Gerd:
Sehr dünn besiedelt! Touren wie Matthias sie macht, ein neuer Ort nach dem anderen, das wird hier schwer.

@Jan:
Ich werfe vorher einen Blick in die Karte, laufe drauf los und hoffe, irgendwie zurück zu finden ;-)

@Martin:
Wenn der Lauf terminlich besser liegen würde, wäre ich sofort dabei. Eine Woche davor und eine danach stehen aber wichtige Läufe an - da kann ich nicht noch einen zwischen schieben.
antworten #13 Laufline 15.07.2010, 18 Uhr
Laufline
Wow - tolle Landschaft. Ich kenne Wald ja auch, aber das ist wirklich WALD. Die Fotos sind super. Man wartet förmlich darauf, dass gleich ein Hobbit aus dem Busch springt ;-)
antworten #14 Chris 17.07.2010, 15 Uhr
Chris
Deine Bilder sehen ähnlich aus, wie meine im Kopf. Die schönen Wälder sind halt immer herrlich zu laufen. Besonders im Sommer, wenn die Hitze eh schon stark ist. Der Duft und die leichte Kühlung sind perfekt. Sommer, bleib noch ein bisschen, wir mussten lange auf dich warten... :-))
antworten #15 matbs 18.07.2010, 11 Uhr
matbs
Hm. Aus irgendeinem Grund musste ich gerade spontan an letztes Jahr denken, als ich bei meinem ersten Ausflug richtig in den Pfälzer Wald rein fast verdörrt wäre.
Aber du warst ja schon gewarnt, oder? :D


Sieht auf jeden Fall richtig schön aus, trotz Hitze und Trockenheit (und mit Karte. Yaaay, KARTE!!! :D).
Jetzt müssen wir bloß schauen, dass einen möglichen gemeinsamen Lauf (vielleicht auf meinem Tellerrand) möglichst schnell hinkriegen, bevor du dich vollständig an die Berge gewöhnt hast, damit ich da auch noch ein bisschen Land sehe...
1. FC Kaiserslautern