Das Wetter bietet einem in den letzten Tagen nicht gerade das, was man sich von einem schönen Frühling erwartet. Grau in Grau und vereinzelte Regenschauer prägen die Vorhersagen. Lediglich am Dienstag sollte es trocken und mit Glück ansatzweise sonnig werden. Überlegungen starten und für den Vormittag die zweite Tour über den Tellerrand planen - die Chance muss genutzt werden.

Die Streckenkarte der zweiten Tour über den Tellerrand
(Klicken zum Vergrößern) Beim verhältnismäßig frühen Aufstehen werde ich mit kühl grauem Wetter begrüßt und mit dem Umstand belohnt, zum Startpunkt (Preetz) gefahren zu werden. Dazu wartet anschließend das Fahrrad auf mich in Trent - etwa acht Kilometer auf dem direkten Weg. Ich denke aber nicht an den direkten Weg und suche wieder die Nähe zur Schwentine.

In Preetz ausgesetzt orientiere ich mich kurz und finde schnell den Klosterweg, der mich entsprechend seines Namens an einem netten Teich vorbei über die Schwentine zum Kloster führt, bevor es durch das als Schusterstadt bekannte Preetz geht. Erstes Treiben im Zentrum, die erste nervige Ampel, durch die Fußgängerzone und möglichst schnell wieder hinaus aus der Stadt. Eine kleine Seitenstraße geht es hinab und schon führt die Straße direkt in den Kirchsee, der eigentlich nichts weiter als eine breite Stelle der Schwentine ist. Ulkig sehen die Leitpfosten direkt am Ufer aber so oder so aus.

Eine Allee weiter erreiche ich dann einen richtig netten Park, durch den gerade eine Schulklasse läuft. Während diese jedoch vor der Brücke stoppt, überquere ich die Schnweinte und folge mit Blick auf den Anfang des Lanker Sees dem europäischen Fernwanderweg in den Wald hinein. Unebene Wege, alles grünt, alles ist nett. Auch wenn ich am Himmel noch keine Wolkenlücke entdecken konnte: Es gefällt. Zwei Rehe flüchten vor mir von rechts nach links über den Weg zur B76, von der ich den Autolärm bisher gut ausblenden konnte und trotz der Rehe auch jetzt keine quitschenden Reifen vernehmen muss. So kann ich weiter den teils abenteuerlichen Waldweg genießen und einen Blick auf die Suchtklinik Freudenholm werfen, bevor ich erstmals wegen der Streckenführung stoppen muss.

Aus dem Wald hinaus geht es auf einem kleinen Stück eine Straße entlang, die jetzt eine Linkskurve macht, während laut Streckenplan auf der Uhr der Weg geradeaus gehen soll. Dort ist aber nichts. Ein Feld, durch eine Buschreihe in zwei Teile gespalten. In der Kurve der Straße steht noch ein Pfahl mit dem E1-Zeichen. Ein Pfeil, in welche Richtung es weiter gehen soll, fehlt. Folglich geradeaus? Mitten über das Feld, auf dem auch beim zweiten Blick kein Weg erkennbar ist? Ich probiere es, laufe einige Meter und scheuche damit etwa 100 Graugänse auf. Glückwunsch. Zumindest ist es der richtige Weg, am Strommast ist das entsprechende Zeichen. Weiter über das Feld geht es auf einen Reitplatz mit Reithalle zu.
Als jemand, der im letzten Monat jeden Tag bei der Arbeit unter Elektrozäunen krabbeln und über Pferdeweiden gehen musste, habe ich kein direktes Problem mit der Wegführung. Ein wenig sprachlos bin ich dennoch. Eigentlich sind immerhin entsprechende Gatter für die Wanderer vorhanden. Da allerdings die eine Ecke des Zauns dem Besitzer nicht mehr gefiel, wurde hier ein weiterer
Powerzaun gespannt. Sieht so ein europäischer Fernwanderweg aus?

Genervt geht es auf der anderen Seite durch ein weiteres Gatter und einen steilen Hang hinab. Mir kann man das zumuten. Ich bezweifle aber, dass jeder Wanderer dieses Stück meistert. Zur Belohnung geht es unten angekommen entsprechend steil auf unwegsamem Waldboden wieder hinauf. Laut schnaufend ärgere ich mich noch mehr über die Wegführung. Aus dem Wald heraus verpasse ich den nächsten Abzweig, genieße kurz den Blick auf den Lanker See und suche den richtigen Abzweig, der mich auch nicht weit führt. Mitten im Wald wird behauptet, der Weg gehe rechts runter. Nichts als Gehölz, ich schlage mich durch, lande am Wielener See. Ein umgeknickter Baum liegt über dem Abfluss gen Lanker See, ein weiterer mitten drin. Zum Glück entdecke ich noch die richtige Brücke und kann auf der anderen Seite im Wald weiter laufen. Leider zeigt sich auch hier, dass der Weg vermutlich seit langer Zeit nicht genutzt wurde. Wieder schlage ich mich durch, Trailrunning vom feinsten.
Zunächst bin ich erleichtert, als ich den Wald verlasse. Vorbei an herrlichen Rapsfeldern geht es auf der Straße
(Ja, noch immer europäischer Fernwanderweg ...) in Richtung Güsdorf und Wittmoldt. Zwei Mäusebussarde fliegen vorbei und der Raps ist entzückend, ansonsten ist es eher langweilig: Auf der Straße durch das Nirgendwo. In Wittmoldt geht es, vorbei an den letzten Ostereiern, wieder etwas weiter in die Landschaft hinein.
Betreten auf eigene Gefahr, so erweckt man für die kommenden Brücken über zwei winzige Bäche Vertrauen. Als Belohnung bietet sich mir wenigstens der Blick auf die Schwentine. Anschließend geht es zurück auf die Straße, ein letzter Blick in Richtung Kleiner Plöner See und schon stehe ich vor der B76.

Die Hoffnung, es würde eine Unterführung geben, wurde nicht bestätigt. Von wegen europäischer Fernwanderweg. Man muss selbst schauen, wie man über die viel befahrene Straße kommt. Eine Auto nach dem anderen rauscht mit 100 und mehr an einem vorbei, bis ich eine Lücke erhasche und überqueren kann. Weiter nach Theresienhof, die Zunge hängt auf dem hier wenigstens freien Asphalt. Immerhin 50 Höhenmeter hinauf, der letzte Schluck aus dem Trinkrucksack, nach kurzem Gastspiel weiter nach Trent. Wieder quer durch das Land, das typische Bild. Theresienhof und Trent, beide angenehm ruhig, bis ich zufrieden vor dem Fahrrad stehe. Ein netter Ausklang der Tour.

Das Projekt nach der zweiten Etappe (blau)
Die Tour über den Tellerrand bleibt ein interessantes und für jeden Läufer empfehlenswertes Projekt. Auch wenn dieser Lauf nicht mit der ersten Tour mithalten konnte, das Erkunden der Umgebung ist eine wunderbare Begleitung für einen langen Lauf und lässt einen auch durch die Fotopausen eben jenen wunderbar genießen.
am 13.05.2010 um 10 Uhr