Studie: Barfußlaufen ist ineffizient

„Der wissenschaftliche Aspekt des Barfußlaufens”

Der Trend minimalistischer Schuhe hat seine Runde gedreht. Inzwischen dürften alle Laufschuhhersteller reagiert und die Läufer selbst fasziniert aufgeschrien haben. Der komplette Verzicht auf den Laufschuh hat sich bisher jedoch nur sehr wenig durchgesetzt, obwohl die Befürworter einige Argumente dafür sehen. Es ist das natürlichste Laufen, sei am förderlichsten für die Muskulatur und manche glauben sogar, sie seien damit schneller. Kein Gewicht am Fuß klingt natürlich auch verlockend.

Unter dem Titel "Metabolic Cost of Running Barefoot versus Shod: Is Lighter Better?" wurde nun eine neue amerikanische Studie veröffentlicht, die untersucht hat, ob das Barfußlaufen effizienter beziehungsweise energiesparender ist.* Ausgehend von der Tatsache, dass lediglich bei zwei von sieben früheren Studien statistisch nachweisbare Unterschiede bezüglich der Sauerstoffaufnahme (VO2*, als Maß für die Belastung) zwischen Barfußlaufen und Laufschuhen entdeckt wurden, hat man nun 12 Barfuß-erfahrene Läufer auf den Laufband getestet - barfuß und mit Laufschuhen - und hat nach und nach Gewichte hinzugefügt.

Das weniger überraschende Ergebnis ist die verschlechterte Effizienz bei höherem Gewicht, also dass Lightweight-Schuhe ihre Vorteile gegenüber schweren Schuhen haben. Überraschend ist aber, dass trotzdem der Energieverbrauch beim Tragen von Laufschuhen (und dem gleichen Zusatzgewicht) geringer ist. (Siehe hierzu auch die Grafik im unten verlinkten Runner's World-Artikel)

Verwirrend, wenn doch jedes Zusatzgewicht das Laufen ineffizienter macht. Das widerlegt aber zumindest, solange man bei Studien im Allgemeinen und besonders bei nur 12 Probanden überhaupt von beweisen sprechen kann, dass die Laufschuhe außer dem Schutz vor spitzen Gegenständen keinen Effekt hätten.

Bleibt natürlich die Frage, wie dieser Vorteil zustande kommt. Alex Hutchinson spricht hier die möglicherweise von alleine größer werdenden Schritte mit Laufschuhen (doch woher kommen die?) oder auch simpler weise die Dämpfung der Schuhe, die dem Körper einen gewissen Arbeitsaufwand abnimmt, an. Was nun letztlich stimmt? Eine gute Frage ...

Je intensiver man sich die Beschreibung der Studie anschaut, desto eher verfällt man wieder in den Status, jeder Studie gleich einen Bullshit!-Stempel aufdrücken zu wollen. Zu viele andere Parameter, zu wenige Probanden ...

Dennoch, zurück zur Grundaussage der Studie: ein überraschendes Ergebnis - und ein Gegenargument, wenn jemand das Barfußlaufen jedem anderen auf den Fuß zwängen will.

Siehe auch:

via The Science of Sport
* Neunmal-kluge Verbesserungsvorschläge zur Übersetzung sind willkommen.
* VO2 ist nicht zu verwechseln mit VO2max, der maximalen Sauerstoffaufnahme (oft auch VDOT)

16 Kommentare

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antworten #1 Chris 12.03.2012, 21 Uhr
Chris
Weiss die Quelle jetzt nicht mehr. Aber einer sagte mal: Ich glaube keiner Statistik, die ich nicht selber gefälscht habe.

Die Ausführungen sind trotzdem interessant. Und da jeder Hersteller für sich selber "bastelt", bleiben da wirklich relevante Vergleiche auf der Strecke.

Gerade mit deinen Laufleistungen wird das Gewicht der Laufschuhe bereits messbare Veränderungen erwirken. Ob das bei meinem Tempo was ausmacht? Wenn ich daran glaube - schon, oder?
antworten #2 Wolfgang 12.03.2012, 22 Uhr
Wolfgang
Eine interessante Aussage, wobei (wie bereits angemerkt) solche Studien mit Vorsicht zu genießen sind. Bei den meisten Freizeitläufern dürfe durch eine Verbesserung der Laufökonomie oder besseres Trainings ein größeres Verbesserungspotential drin sein, als durch die Wahl der Schuhe. Oder eben auch die Wahl keiner Schuhe.

Mir ist wichtig, das ich in meinen Schuhen "ein gutes Gefühl" habe. Zugegeben, das ist natürlich sehr subjektiv.
antworten #3 martin 13.03.2012, 08 Uhr
martin
Spannende Betrachtungen. Doch für mich als Hobbyläufer sind Laufgefühl, Erholungszeit, Vermeidung von Überbelastung die relevanten Aspekte.
Die Disskussionen sollen doch in erster Linie Produkte vermarkten. Mir halfen die minimalen Schuhe meinem Laufstil zu mehr Beachtung. Ich besitze also auch ein solches Paar, wie ich vermutlich in 5 Jahren auch ein Paar Laufschuhe mit elektronisch gesteuertem aktiv reponse Dämpfungssystem haben werde ;-)
antworten #4 Gerd 13.03.2012, 09 Uhr
Gerd
Die Frage stellt sich doch immer wieder wer die Statistik beauftragt hat?
Weiterhin sehe ich im Laufen mit minimalistischen Schuhe nicht die Effizienz im Vordergrund sondern den Spaß und die Art des natürlichen Laufens. Ob ich mit den Schuhen "effizienter" unterwegs bin, ist bei meiner Leistungsklasse uninteressant! ;-)
antworten #5 Walter 13.03.2012, 10 Uhr
Walter
Ich hoffe doch, dass niemand ernsthaft auf die Idee kommt, dass nur Barfußlaufen das beste und richtigste ist. Die Schuhe haben ja einen Sinn und auch ein Spitzensportler wird sicher nicht auf die Idee kommen, ohne Schuhe zu laufen.

Aber als Trainigsmethode für die Verbesserung des Laufstils ist das Barfußlaufen auf alle Fälle zu empfehlen. Gerade die schweren gedämpften und gestützen Schuhe unterstützen einen schlampigen, trägen und vor allem unökonomischen Laufstil.

Auch wenn man nicht beweisen kann, dass Barfußlaufen die Leistung direkt steigert, ist anzunehmen, dass man indirekt einen besseren Trainingseffekt hat...abgesehen vom Verletzungsrisiko

Auch ich möchte in dem Zusammenhang manche Studien anzweifeln, die mit reißerischer Schlagzeile in die Medien kommen. Der Laie weiß oft nicht die Hintergründe und schon gar nicht die Ergebnisse. Dafür gibt es ja solche Blogs, in denen man die Wahrheit lesen kann ;-)
antworten #6 Brennr.de 13.03.2012, 10 Uhr
Brennr.de
Ehrlich gesagt, bin ich jetzt nicht so sehr vom Ergebnis dieser Studie überrascht. Im Gegenteil, für mich klingt das irgendwie logisch. Meiner Meinung nach müssen beim Barfußlaufen meine Zehen mehr arbeiten bzw. greifen, als wenn ich Laufschuhe an habe. Da kann ich die Füße besser rollen lassen, da mir die Außensohle den nötigen Grip liefert. Und bei gleichem Gewicht an den Füßen, ist das Laufen mit Schuhen dadurch effizienter. Ist natürlich alles Laiengequatsche, aber mein Bauchgefühl sagt mir, dass da etwas dran sein könnte. Hat überhaupt jemand verstanden, was ich meine? ;-)
antworten #7 Andreas 13.03.2012, 19 Uhr
Andreas
Entscheidend ist wirklich, dass 12 nicht gerade eine Teilnehmerzahl ist, die wirkliche Rückschlüsse zulässt (obwohl ich dem Grundgedanken der Studie schon glaube). Aber die Sache „Barfußlaufen – ja oder nein“ bleibt auf jeden Fall spannend...
antworten #8 Laufhannes 15.03.2012, 08 Uhr
Laufhannes
@Chris:
Im Wettkampf würde ich barfuß sicher nicht die gleichen Leistungen erzielen, da wäre ich mir sicher. Bleibt nur die Frage, wie groß der "Anteil" daran der obigen Begründung ist.

@Wolfgang:
Das gute Gefühl in den Schuhen ist eigentlich wirklich das einzige, was da messbare Unterschiede erzielt. Man kann sicherlich auch mit extrem schweren Laufschuhen gute Leistungen erzielen, solange man sich selbst darin wohlfühlt.
Leuten Wettkampfschuhe aufzuzwingen hat genauso wenig Sinn wie das Aufzwingen des Barfußlaufens.

@martin:
Quasi als Gegensatz zum natürlichen Laufen ein elektronisches Dämpfungssystem? Ich bin mir sicher, die Entwickler sitzen längst daran.

@Gerd:
Minimalistische Laufschuhe sind nach der Studie ja ohnehin super, nur ganz barfuß sollte man es nicht tun ;-) Ich bin mir sicher, fünf Sekunden macht das auch bei dir aus :D

@Walter:
Der Trainingseffekt ist definitiv besser. Da widerspricht die Studie ja auch nicht. Mehr Aufwand für den Körper spricht ja meist für "besseres" Training.

@Brennr.de:
Ein wenig ;-)
Nach dem, was ich von der Studie verstanden habe, wären die Ursachen aber die fehlende Dämpfung und dadurch entstehende Mehrarbeit für die Muskeln, diese zu kompensieren. Weniger der Aufwand der Zehen.
antworten #9 Andy 18.03.2012, 14 Uhr
Andy
Ich hab immer gedacht, dass es gerade andersrum ist, aber mal wieder etwas gelernt. Aber wie man auch schon sieht. Statistiken können auch mal falsch liegen.
antworten #10 ketchupfreak88 19.03.2012, 11 Uhr
ketchupfreak88
Nun ja... die Marathon-Gewinner laufen ja auch nicht ohne Schuhe. Schon hier sollte jeder logische Verstand sagen, dass Schuhe effektiver sind. ;)
antworten #11 Philipp 25.03.2012, 09 Uhr
Philipp
Da haben die Macher der Studie wohl etwas grundlegend missverstanden: es ging nie um Tempo beim Barfußlaufen (jedenfalls nicht in erster Linie). Es geht um Fußgesundheit, Überlastungsproblematiken usw.... also ganz allgemein um die körperliche Gesundheit, die Barfußlaufen fördern/erhalten kann. Ich selber habe ein paar Barfußschuhe, mit denen ich ledigliche GEHE! Jahrelanges Fortbewegen in konventionellen Schuhen kann nicht von heute auf morgen verlernt werden. Ich bin die letzten Tage damit meine üblichen Strecken gegangen (Spaziergang, Einkaufen,...) und was soll ich sagen: meine Füße sind müde. Wer meint, er kann sofort umsteigen, riskiert Verletzungen. Ich plane, dass ich ab Herbst meine ersten "Barfußrunden" drehen werde... und dann ganz sicher nicht im WK-Tempo ;-)
antworten #12 Laufhannes 25.03.2012, 21 Uhr
Laufhannes
@ketchupfreak88:
Das reicht vielleicht als Indiz, nicht aber als Beweis ;-)

@Philipp:
„jedenfalls nicht in erster Linie“
Eben. Bei der Studie behauptet man ja auch nicht, das Barfußlaufen zu widerlegen. Sicherlich war die untersuchte Hypothese nicht die erste, die einem in den Sinn kommt, aber durchaus eine mögliche.
antworten #13 Philipp 04.04.2012, 10 Uhr
Philipp
Ich habe bisher mit dem Glaube gelebt, dass das Barfußlaufen wirklich effizienter ist, aber dem scheint nicht so zu sein. Interessant zu wissen.
antworten #14 Gastrologo 09.04.2012, 10 Uhr
Gastrologo
Wirklich sehr interessanter Artikel! Danke für die Laufinfos!
antworten #15 biggi 10.04.2012, 13 Uhr
biggi
Ich laufe auch regelmäßig, aber auf die Idee, barfuß zu laufen, bin ich noch nie gekommen. Alleine der Gedanke, doch die eine oder andere Scherbe zu erwischen oder den einen oder anderen Hundehaufen zu übersehen, hält mich als Großstädter davon ab, es auch nur zu probieren.
antworten #16 Michael 08.04.2013, 16 Uhr
Michael
@ ketchupfreak88 und Walter:
Googlet mal Zola Budd und Abebe Bikila- die haben barfuß auf WM- und Olympia-Ebene gewonnen. Der Schuh ist wirklich nicht maßgebend, man muss sich nur umgewöhnen, bzw. erst gar nicht mit überstrukturierten Schuhen anfangen!
Natürlich kriegt man ohne Schuhe aber auch weniger Werbeverträge von Schuhfirmen, wenn man erst mal anfängt zu siegen ;)
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